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 Medizinische Familientherapie

Judith Neuß-Chouadli, Dipl.-Sozialpädagogin/ Systemische Familienberaterin

Medizinische Familientherapie konzentriert sich auf die körperliche Krankheit und deren Rolle im persönlichem Leben des Patienten und die zwischenmenschlichen Beziehungen der Familie.
Ziel ist die Förderung von Selbstwirksamkeit und Verbundenheit, d.h. zum einen aktive Beteiligung und Engagement bei der Behandlung, zum anderen emotionale Bindungen.
Schwere Krankheit und Behinderung bieten somit die Möglichkeit, alte Konflikte zu lösen und neue gesunde Familienbeziehungen aufzubauen.
Grundlage bietet das biopsychosoziale Systemmodell, das im Gegensatz zum biomedizinischen Modell als vorherrschendes Krankheitsmodell die hierarchischen Wechselbeziehungen der Systeme auf biologischer, psychologischer, individueller, Familien- Gemeindeebene berücksichtigt.

Prinzipien der medizinischen Familientherapie
  

Gleichwertige Berücksichtigung von somatischen und psychischen Faktoren bei Diagnostik und Therapie

Enge Kooperation mit der Familie des Patienten und ihre routinemäßige Einbeziehung bei der Krankenversorgung

Patientenbezogene Kooperation der medizinisch und psychosozialen Behandler

Bildung von interdisziplinären Behandlungsteams

Gemeinsame Grundhaltung über Ziele, den Prozess und die Realisierung der Vernetzung

Unterschiedliche Arbeitsstile der medizinischen und psychotherapeutischen Versorgung


Der Aufbau von konstruktiven Kooperationsbeziehungen wird u.a. durch Unterschiede in Ausbildung, Sprache, theoretischem Ansatz und Berufskultur behindert.
  

 

Medizinische
Grundversorgung

Psychotherapeutische
Versorgung

Sprache

medizinisch

humanistisch, psychoanalytisch
oder systemisch

Traditionelles Paradigma

biomedizinisch

psychoanalytisch

Neues Paradigma

biopsychosozial

familiensystemisch

Beruflicher Stil

handlungsorientiert, ratgebend,
Arzt übernimmt die Perspektive

prozessorientiert, vermeidet Ratschläge

Übliche Behandlungsdauer

10 - 15 Minuten

45 - 50 Minuten

Leistungsnachfrage

rund um die Uhr

vereinbart Termine, außer in Notfällen

Einsatz von Medikamenten

häufig

selten

Beachtung der individuellen
und Familiengeschichte

minimal

umfassend

Gefährdung

somatische Fixierung

psychosoziale Fixierung


Die mögliche Bedeutung einer LKGS - Fehlbildung
 

Mögliche Bedeutung einer LKGS-Fehlbildung für den kleinen Patienten

  • Einschränkung körperlicher Integrität
  • Verlust von Autonomie durch ständige Behandlung von aussen
  • Reduzierung von Persönlichkeitsmerkmalen auf die Fehlbildung
  • Evtl. Einschränkung von sotialen Kontakten
  • Verlust von Lebensqualität durch mögliche Folgebehinderungen

Mögliche Bedeutung einer LKGS-Fehlbildung für Eltern eines betroffenen Kindes

  • Schock und Trauer nach der Geburt
  • Angst vor Operationen des Kindes und deren Gelingen
  • Schuldthematik in Bezug auf die Fehlbildung
  • Aufgabe von Zukunftsplänen und Träumen
  • Weniger Zeit für andere Familienangehörige
  • Berufliche Umstellung durch höheren Betreuungsaufwand
  • Finanzielle Einbußen
  • Reduzierung der sozialen Kontakte

Mögliche Bedeutung einer LKGS-Fehlbildung für Geschwister eines betroffenen Kindes

  • Sorgen um das betroffene Geschwisterkind
  • Schuldgefühle wegen der eigenen Gesundheit
  • Weniger Sorge und Zuwendung durch die Eltern
  • Übernahme der Rolle des "Hoffnungsträgers" in der Familie
  • Gefühl, von den Eltern vernachlässigt zu werden

 Mögliche Bedeutung einer LKGS-Fehlbildung für die Familie 

  • Fehlbildung als organisierendes Prinzip der Familie
  • Verzicht auf anstehende Entwicklungsschritte der einzelnen Familienmitglieder
  • Verlust der Flexibilität, Handlungsspielraum und Veränderungspotential

 



Behandlungstechniken der medizinischen Familientherapie
1. Die biologische Dimension der Krankheit/Fehlbildung erkennen.
2. Die Krankheitsgeschichte erfragen.
3. Abwehrhaltungen respektieren, Schuldzuweisungen beseitigen und unakzeptierbare Gefühle annehmen.
4. Die Verständigung in Gang halten.
5. Entwicklungsfragen ansprechen.
6. Beim Patienten und der Familie ein Gefühl der Selbstwirksamkeit verstärken.
7. Für zukünftige Kontakte offen bleiben.



Abgrenzung zur Familienpsychotherapie

 

Familienpsychotherapie

 

Systematische Familienmedizin

 

Arbeiten mit Familien, die mit dem
Problem nicht oder nur unzureichend zurechtkommen

Arbeiten mit Familien, die mit der Krankheit
nicht oder nur unzureichend zurechtkommen

Im Mittelpunkt stehen die Beziehungen der
Familienmitglieder untereinander

Im Mittelpunkt steht die Erkrankung und ihre
Auswirkung auf die Familienmitglieder 

Therapeutischer Fokus: Anregung von
Veränderung von Interaktionsmustern 

Therapeutischer Fokus: Unterstützen von
Kompetenzen und Ressourcen zur Krankheitsverarbeitung

Eher aufdeckend 

Eher supportiv

Die Familie bestimmt den Auftrag 

Die Krankheit bestimmt den Auftrag 


Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die LKGS-Fehlbildung nicht auf ihr somatisches Bild bei betroffenen Kindern reduziert werden darf, sondern übergreifend in Bezug zur Familie gesehen und verstanden sein sollte. Dieser Aspekt ist für all jene wichtig, die tagtäglich mit Kindern mit LKGS-Fehlbildung und ihren Familien arbeiten - also Therapeuten, Ärzte, Hebammen und Pflegeteam.
Entsprechend dem systemischen Ansatz ist auch hier die gegenseitige Achtung und Wertschätzung der Kompetenz jeder einzelnen Berufsgruppe - ohne Leugnung von Hierarchien - von besonderer Bedeutung mit dem Ziel der ganzheitlichen Versorgung. Bei Unsicherheiten, mögliche Schwierigkeiten einer betroffenen Familie richtig einzuschätzen und aufzugreifen, wenden Sie sich bitte an eine familientherapeutische Praxis oder Beratungsstelle in Ihrer Nähe!



Grundlegende Literatur:

Altmeyer, S.
, Fortbildungsveranstaltung PPP am UKA, 03.11.99: Krankheit als
Verlusterfahrung - Perspektiven der systemischen Familienmedizin
Cierpka, M. (1996): Handbuch der Familiendiagnostik. Berlin
McDaniel, S., Hepworth, J., Doherty, W. J. (1997): Familientherapie in der Medizin. Heidelberg
Schlippe, von A., Schweitzer, J. (1998): Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung. Göttingen
Simon, F. B. (1995): Die andere Seite der Gesundheit: Ansätze einer systemischen Krankheits- und Therapietheorie. Heidelberg