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Basisprogramm

Die sprachliche Förderung bei Kindern mit LKGS-Fehlbildung ist interaktional und handlungsorientiert aufgebaut. LKGS- typische Artikulations- bzw. Resonanzstörungen werden vermindert und der Herausbildung einer Hypertonie im muskulären Orofazialsystem entgegengewirkt. Mit einem entwicklungsorientierten, lustbetonten (prophylaktischen) Funktionstraining sollen physiologische Funktionsmuster etabliert und der Fixierung kompensatorischer Artikulation entgegengewirkt werden.

Die Hauptziele der sprachlichen Förderung sind die folgenden:

  • Die Wahrnehmung des Kindes für richtige Sprechbewegungen anzuregen und die Sprechwerkzeuge wieder aufeinander abzustimmen
  • einen ausgeglichenen Atem zu ermöglichen, die Nasenatmung anzuregen und die orale Lenkung der Sprechatemluft zu fördern
  • die Empfindsamkeit, die Beweglichkeit und Kraft der Lippen zu stärken
  • das Velum (soweit anatomisch.physiologisch möglich) zu aktivieren und einen velopharyngealen Verschluss anzubahnen
  • das Gehör zu fördern, um die phonematische Differenzierung zu verbessern
(PETERSON-FALZONE 2000, NEUMANN 2000 & 2001).

Im folgenden finden Sie Ausführungen zu den einzelnen Hauptförderpunkten. Dazugehörige Förderbeispiele werden zum kostenfreien downloaden angeboten. Dazu benötigen Sie allerdings den acrobat reader, den Sie Linktipp hier kostenlos downloaden können.

Übergreifende Förderung der Wahrnehmung

Aufgrund der Wechselwirkung zwischen dem Gesamtkörpertonus und den Spannungsverhältnissen im orofazialen Komplex ist es erforderlich, ganzkörperliche Elemente in die frühe sprachliche Förderung mit einzubeziehen. Die Körperwahrnehmung des Kindes wird gefördert. Die folgenden Ziele sollen mittels einer Wahrnehmungsförderung auf taktiler, vestibulärer, kinästhetischer und visueller Basis angestrebt werden:

  • den Gesamtkörpertonus (meist hypoton) als Voraussetzung für die myofunktionelle Förderung zu eutonisieren
  • die orale Wahrnehmung/Stereognosefähigkeit zu fördern
  • sensomotorische Fähigkeiten (Sensorische Integration) zu unterstützen
  • ein bewusstes Körperschema aufzubauen

Weitere praktische Anregungen hierzu finden sich in der folgenden Literatur: ALEXANDER 1976, WINDELS 1984, AFFOLTER 1987, AYRES 1992, PORTMANN & SCHNEIDER 2002.

Förderung der Mundmotorik und –sensibilität durch Lippen- und Zungenübungen

Die Oberlippe kann durch Narben verkürzt oder durch ein nicht gebildetes bzw. vernarbtes Vestibulum oris in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sein. Dem soll entgegengewirkt und die weiteren Ziele verfolgt werden:

  • die Motilität der Oberlippe zu verbessern,
  • einen Mundschluss mit physiologischer Nasenatmung zu erreichen,
  • die Lippenmuskulatur zu stärken bzw. zu eutonisieren und
  • die Lippensensibilität zu erhöhen für Empfindungen und ihre eigenen Bewegungen.

Download Hier können Sie Förderbeispiele ( Lippen) als pdf-Datei downloaden

Die Zunge übernimmt bei Kindern mit LKGS- Fehlbildung eine gewichtige Rolle innerhalb der myofunktionellen Dyskinesie. Daher setzt sich die funktionelle Aktivierung der Zunge die folgenden Ziele:

  • eine normale Ruhelage und eine gute Orientierung im Mundinnenraum zu ermöglichen,
  • Dystonien im doralen Teil der Zunge auszugleichen,
  • die hypotonen inaktiven Teile der Zungenspitze und des Zungenrückens zu aktivieren,
  • eine posterior verlagerte Zungenruhelage nach anterior zu normalisieren,
  • eine interdentale Zungenruhelage zu normalisieren und
  • die Zunge in Ihrer Beweglichkeit, Schelligkeit und Wahrnehmungsfähigkeit mit dem Ziel der verbesserten Diadochokinese zu fördern (NEUMANN 2002).
(Ausführlich s. HAHN & HAHN, HACKER& WILGERMEIN in diesem Band).

Die enge Verbindung von Händen und Füßen zum orofazialen Komplex sollten hierbei zu Nutze gemacht werden.

Stimulation
Fersen / Handballen --> Zungenwurzel
Zehenspitzen --> Zungenspitze
Handkanten / Fußkanten --> Zungenränder
Abb. 1: Stimulation von Hand und Fuß mit Auswirkung auf Bereiche der Zunge.
(Aus: BOURTSCHEIDT 2002)

Download Hier können Sie Förderbeispiele ( Zunge) als pdf-Datei downloaden

Weitere praktische Anregungen finden sich in der folgenden Literatur: CODONI 1992, BROICH 1992, WULFF 1996, ADAMS, STRUCK & TILLMANNS-KARUS 1996, STRUCK & MOLS 2002.

Aktivierung der Velum- und Pharynxmuskulatur

Die Förderung der Gaumensegel- und Pharynxmuskulatur übernimmt generell die Schlüsselfunktion zur Normalisierung der pathologischen Nasalität und des nasalen Durchschlags. Die Bewegungen des Velums lassen sich nur über ganzkörperliche Bewegungen initiieren da sie kaum einer bewussten Kontrolle unterliegen,. Bewegungen vom Körper weg (Stoßen , Drücken) heben indirekt das Velum, während Bewegungen zum Körper hin (Ziehen) das Segel senken. Die Anspannung der Bauchmuskulatur spannt indirekt auch die Segelmuskulatur. Mit Zwerchfellunterstützung ausgeführte Druck- und Widerstandsübungen mit Fersen und Handballen aktivieren das Velum. Funktionen wie Gähnen, Lachen und Husten setzen Velumaktivität voraus und können daher auch übungshalber eingesetzt werden. Auch Feinspannungsübungen mit gestreckten Gliedmaßen übertragen ihre Spannung auf das Gaumensegel.

Download Hier können Sie Förderbeispiele (Velum) als pdf-Datei downloaden

Weitere praktische Anregungen finden sich in der folgenden Literatur: ADAMS, STRUCK & TILLMANNS-KARUS 1996, WOHLLEBEN 1998, BIGENZAHN 2002, WULFF 1996, STRUCK & MOLS 2002.

Förderung der auditiven Differenzierungsfähigkeit

Die Förderung der auditiven Differenzierungsfähigkeit stellt eine Vorübung für die phonematische Differenzierung dar und verfolgt dabei das übergeordnete Ziel:

  • das Gehör auf die Wahrnehmung von genauen Höreindrücken zu sensibilisieren,
  • die Aufmerksamkeit. das Behalten, Vergleichen und Wiedererkennen von akustischen Eindrücken anzuregen,
  • falsche Hörspuren durch einwandfreie Lautbilder zu ersetzen und
  • das Ohr für die Aufnahmen sprachlicher Eindrücke zu sensibilisieren.
(Ausführlich s. LEONHARDT in GROHNFELDT 2003)

Download Hier können Sie Förderbeispiele (aud.Diff.) als pdf-Datei downloaden

Weitere praktische Anregungen hierzu finden sich in der folgenden Literatur: THIEL 2000, LEONHARDT 1998, FRITZE u.a. 1976, OCHOKO-STASTNY 1985.

Harmonisierung der Atmung und der Stimme

Dieser Ansatzpunkt zielt darauf ab die Hypernasalität des Kindes zu verbessern und einer Überbeanspruchung der Stimmbänder vorzubeugen.
Weitere Ziele:

  • einer Clavicularatmung vorzubeugen und die costo-abdomiale Atmung zu stabilisieren,
  • durch Hauchübungen möglichst wenig Druck auf die Glottis auszuüben (besonders bei glottalen Rückverlagerungen),
  • leise und mit weichem Stimmansatz zu sprechen,
  • die eigene Stimme in Variationen auszuprobieren,
  • dem Kind dessen Atemwege bewußt zu machen,
  • mittels Riechspiele die physiologische Nasenatmung anzuregen,
  • parallel dazu die Luftstromlenkung durch den Mund anzubahnen.

Weitere praktische Anregungen hierzu finden sich in der folgenden Literatur: HAHN & HAHN 2003, SPIECKER-HENKE & NEUSCHAEFER- RUBE 2003, SAATWEBER 1990, WINDELS 1984, DREHER 1983.

Übungen zur Luftstromlenkung sollten kritisch betrachtet werden. Bei unsachgemäßer Durchführung kann sich eine bestehende Hypernasalität verstärken! Bei Kindern mit noch unoperiertem Gaumen und -segel dürfen die Übungen generell nicht durchgeführt werden. Diese Fördermöglichkeiten sollten nach einer Verbesserung des velopharyngealen Sphinkters nur noch zur Unterstützung bzw. Verinnerlichung eingesetzt werden. Das bedeutet aber, dass das Kind schon in der Lage sein sollte, seine Sprechatemluft durch den Mund zu lenken (WOHLLEBEN 1998, NEUMANN 2000 & 2001).

Quelle: Neumann, S. (2003): Rhinophonie und LKGS-Fehlbildung. Therapie und Beratung. In: Grohnfeldt, M. (Hrsg.): Lehrbuch der Sprachheilpädagogik und Logopädie, Bd.4: Beratung, Therapie und Rehabilitation. Grohnfeldt 2003.

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