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Myofunktionelle Frühförderung durch die Orofaziale Regulationstherapie (ORT) nach Castillo Morales

Die manuelle Stimulation nach Castillo Morales hat das Ziel, normale Bewegungsmuster anzubahnen, indem pathologische Bewegungsmuster inhibiert und erwünschte Muster faszilitiert werden. Hierbei stehen die manuellen Techniken der Berührung, des Streichens, des Zugs, des Drucks und der Vibration zur Verfügung.
Direkt nach der Geburt soll die ORT dazu beitragen, die Ernährungssituation des unoperierten Säuglings zu verbessern und durch myofunktionelle Abweichungen zu erwartende Artikulationsstörungen zu vermeiden.
Wichtiges Ziel ist hierbei den Buccinator-Mechanismus des Säuglings für die Saugfunktion zu aktivieren.

Der Buccinator - Mechanismus

Der Buccinator–Mechanismus besteht aus dem Zusammenwirken einer Muskelkette, welche sich aus dem M. orbicularis oris, dem M. buccinator und dem M. constrictor pharyngis superior zusammensetzt.
Durch das Umschließen der Brustwarze bzw. des Flaschensaugers des Kindes mit den Lippen wird der M. orbicularis oris superior kontrahiert und die sich anschliessenden Mm. buccinatores aktiviert. Deren Kontraktion wirkt wiederum aktivierend auf den M. constrictor pharyngis superior, welcher dadurch eine für den Schluckakt notwendige zirkuläre Verengung des Pharynx ermöglicht.

M. orbicularis  →  M.Buccinator  →  M constrictor pharyngis superior

Das ungestörte Wirken des Buccinator-Mechanismus ist entscheidend für den physiologischen Schluckakt des Kindes.

Pathophysiologie des Saugens und Schluckens bei Kindern mit LKGS-Fehlbildung

Die Mundhöhle kann aufgrund des fehlgebildeten M. orbicularis oris nicht adäquat verschlossen werden, da dieser in seinem Verlauf unterbrochen ist und andere Ansatzpunkte aufweist. Dadurch liegt sein Fixpunkt nicht in der linea media, sondern im Bereich der Mundwinkel, was zu einer Aktivität der Oberlippe nach lateral caudal führt und unwirksam für die Saugfunktion ist. Außerdem kann der Buccinator-Mechanismus nicht einsetzen. Bei LKGS und GS-Fehlbildung verhindern die fehlgebildeten Mm. tensor und veli palatini den dorsalen Verschluss des Oropharynx. Unterbleibt aufgrund des beeinträchtigten Buccinator-Mechanismus zusätzlich eine Aktivierung des M. constrictor pharyngis superior, bleibt die velopharyngeale Region inaktiv.
Bei der Nahrungsaufnahme mit dem Sauger wird in der Regel ein zu langer Sauger mit einem vergrößerten Loch verwendet, der die Nahrung nur noch in den Mund fließen lässt ohne eine Saugaktivität zu initiieren. Die Zunge nimmt dadurch eine reflektorische dorsale Lage ein und versucht mit Aktivität des hinteren Zungendrittels den Flüssigkeitsstrom zu regulieren. Es liegt ein unphysiologischer Schluckakt vor, welcher den vorderen Teil der Zunge vernachlässigt.


Stimulationstechniken

Mittels der Stimulationstechniken nach Castillo Morales wird auf die individuelle Funktion der orofazialen Muskulatur des Säuglings mit LKGS Einfluss genommen.

Stimulation der Oberlippe:

  • Wahl der Brust oder eines Saugers mit großem „Brustteil“ zur Abstützung der fehlgebildeten Oberlippe und Stimulation am Fixpunkt des M. orbicularis oris - der linea media
  • Manuelle Stimulation: Modellierung der Oberlippenenteile mittels Zeigefinger in Richtung Mittellinie, deren Halten (wichtig! Nicht aufeianderzu ziehen!) vor o. während der Nahrungsaufnahme

Stimulation der Zunge:

  • Ziel: Vorverlagerung und Aktivierung der Zungenspitze
  • Sanfte Vibration mit dem kleinen Finger auf dem vorderen Zungendrittel in caudale Richtung + anschließendes Verschieben des Fingers auf der Zunge nach dorsal Protrusion
  • Sanfte Streichbewegung nach oben vorne l intendierte Anheberichtung begleiten

Stimulation des Saugens:

  • Einnehmen der Ausgangsposition der motorischen Ruhe
  • Vorbereitung des Unterkieferhebers und -senkers
  • Vibration von Lippen und Wangen, um den negativen intraoralen Druck zu erhöhen
  • Ausführliche intraorale Stimulation des Saugens (CASTILLO MORALES 1990, S.161ff)

Stimulation des Velums:

  • Ab der 6.-8. Lebenswoche durchführbar
  • Fehlgebildete Velumanteile bewegen sich bei einer gut koordinierten Saug- und Schluckfunktion mit in Richtung medial, cranial und dorsal

Alle Übungen basieren auf der Ausgangsposition der motorischen Ruhe wodurch die Konzentration bzw. Blickkontakt des Kindes zu Mutter/Vater ermöglicht wird und überschießende Afferenzen durch eine Neutralstellung von Kopf, Unterkiefer, Lippen, Zunge und Gaumensegel gehemmt werden.

Zusammenfassend gehören zu den wichtigsten Aufgaben der ORT bei Säuglingen mit LKGS-Fehlbildung:

  • die Stimulation der (fehlgebildeten) Oberlippe zur nervalen Stimulation der Muskelstrümpfe
  • die Stimulation der Wangen zur Erhöhung des intraoralen Drucks, zur Vorverlagerung der Zunge und der Annäherung der Oberlippenanteile
  • die Stimulation auf der Zunge, um deren Vorverlagerung zu erreichen
  • die Stimulation des Velums (ab 6.-8. Lebenswoche) zu dessen Aktivierung
  • die Aktivierung des Mundwinkelpunktes zur verstärketen Kontraktion der Oberlippe
  • die Saugstimulation im Mund zur Verbesserung der Saug- und Schluckfunktion des Säuglings (ausführlich s. WOHLLEBEN 1998 a,b)


Die ORT wird solange mit dem Säugling durchgeführt bis sich die Primärfunktionen des Saugens und Schluckens (weitgehend) normalisiert haben. Dies kann sich auch nach den erfolgten Primäroperationen weiter fortsetzen.
Die Orofaziale Regulationstherapie sollte aufgrund ihrer Spezifität und Komplexität nur von ausgebildeten Therapeuten durchgeführt werden.

Der vorliegende Text stellt eine Zusammenfassung des Artikels von Ulrike Wohlleben (1998): „Grundzüge in der Behandlung von Säuglingen mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten“ aus: Forum Logopädie , Heft 3, S. 5-10, dar.

Bei Interesse an einer Ausbildung als Castillo Morales Therapeut(in) wenden Sie sich bitte an die

Castillo Morales Vereinigung
Postfach 760143
60507 München

Weitere Informationen zu der CM-Vereinigung finden Sie unter dem folgenden Link.