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Unterstützung der Nahrungsaufnahme

Nicolette Bourtscheidt,
Logopädin/ Castillo Morales Therapeutin

Nach der Geburt eines Kindes mit LKGS-Spalte nimmt die erschwerte Nahrungsaufnahme einen sehr hohen Stellenwert ein. Die ersten Tage und Wochen sind für den Säugling und die Eltern meist sehr anstrengend und mühsam.
Häufig auftretende Fragen sind:

  • Trinkt mein Kind genug?
  • Wird es auch wirklich satt?
  • Was kann ich machen, damit sich mein Kind nicht so oft verschluckt?
  • Wie kann ich verhindern, dass Nahrung durch die Nase austritt?
  • Wie halte ich mein Kind davon ab, während der Mahlzeiten einzuschlafen?
  • Wie kann ich die Zeiten der Nahrungsaufnahme verkürzen?

Das primäre Ziel der sprachtherapeutischen Frühförderung ist also zunächst die Verbesserung der vitalen Bedürfnisse, wie das Saugen, das Schlucken sowie die Atemkoordination.


Vorbereitende Übungen
Um die orofaziale Muskulatur anzuregen, sollte bei den Säuglingen zunächst eine gesamtkörperliche Tonisierung und Stimulation vor den Mahlzeiten erfolgen.

Beginnend mit der motorischen Ruhe wird der Säugling gesammelt. Die Atmung reguliert sich und der Blickkontakt wird aufgebaut. Hierbei umfasst eine Hand das Hinterhaupt des Säuglings und übt mit ihr einen sanften intermittierenden Zug nach kranial aus. Die zweite Hand liegt auf der Sternum-Zone und hält dort einen leichten Druck nach dorsal mit Zug nach kaudal.

Abb. 1: Einnehmen der motorischen Ruhe
Abb. 1: Einnehmen der motorischen Ruhe

Die Hände und Füße sollten in die Wahrnehmungsförderung miteinbezogen werden, da sie in einer engen Verbindung zum orofazialen Komplex stehen.

Stimulation:

Fersen/Handballen — Zungenwurzel
Zehenspitzen/Fingerspitzen — Zungenspitze
Handkanten/Fußkanten —Zungenränder


Arbeit im orofazialen Bereich
Im orofazialen Bereich werden die zum Saugen und Schlucken benötigte Muskelgruppen durch leichten Druck und Streichen mit den Fingern gezielt stimuliert.

Während der Übungen ist es sinnvoll, wenn der Säugling auf dem Schoß der Mutter bzw. des Vaters liegt. Der direkte Körperkontakt zu ihnen vermittelt den Säuglingen sehr viel Geborgenheit, wodurch die Kinder die Stimulation als positives Erlebnis wahrnehmen und genießen. Die Eltern angeleitet, die Übungen selbständig durchzuführen.

Füttern mit der Flasche
Es wird eine relativ aufrechte Position für den Säugling gewählt, um ein Verschlucken zu vermeiden bzw. damit nicht so viel Flüssigkeit durch den Spalt in die Nase gelangt.
Die Mutter/der Vater hat Blickkontakt zu ihrem Kind und ermuntert es beim Trinken.
Die Füße des Säuglings haben Kontakt zu einem Kissen, einer Stuhllehne oder den Händen der Mutter. Hier kann dieser sich immer wieder distale Impulse holen, wodurch der Körper eine gute Grundspannung erhält, sich der Nacken aufrichtet und die orofaziale Muskulatur in eine günstige Ausgangsstellung für das Saugen und Schlucken gebracht wird.
Durch gezieltes Streichen und rhythmischen Druck in die Handinnenfläche des Säuglings kann zusätzlich das Saugen und Schlucken unterstützt werden.


Abb. 2: Günstige Trinkposition beim Füttern mit der Flasche
Abb. 2: Günstige Trinkposition beim Füttern mit
der Flasche

Füttern mit Breikost
Grundsätzlich ist es sinnvoll bei der Wahl des ersten Breies keine großen Experimente zu machen. Wenn die Eltern sich für eine Sorte entschieden haben, dann sollten sie auch für einen längeren Zeitraum bei dieser bleiben, um ihrem Kind die Möglichkeit zu geben, sich an die neue Konsistenz und den neuen Geschmack zu gewöhnen. Falls der Brei die Spalte oder die Nase verklebt, ist es ratsam, ihn etwas zu verflüssigen.
Beim Füttern mit dem Löffel sind die Flexy Löffel von Dr. Boehm zu empfehlen. Sie sind aus weichem, biegsamem Gummi und passen sich dem Mund sehr gut an.

Abb. 3: Füttern mit dem Flexy Löffel von Dr. Böhm
Abb. 3: Füttern mit dem Flexy Löffel von Dr. Böhm

 

Schön ist es, wenn das Kind den ersten Brei mit dem Finger der Mutter gefüttert bekommt. Dieser ist ihm vertraut, er ist warm und weich und natürlich viel einfühlsamer als ein Löffel. Ebenso sollten die Kinder die Möglichkeit erhalten, den Brei in ihre eigenen Finger zu bekommen. So können sie sich mit der Konsistenz vertraut machen und sich den Brei auch selbst in den Mund stecken.