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Pathologische Nasalität

Physiologische Nasalität
In der deutschen Sprache werden nur die Laute /m/, /n/ und /ng/ nasal, d. h. mit nasaler Resonanz artikuliert. Bei diesen äußert sich Nasalität als normale Komponente des Stimmklangs. Nasalität ist demnach eine "bewusst gebildete erhöhte Nasenresonanz, die ein klangverbesserndes Ziel verfolgt, die Tragkraft der Stimme erhöht und die Anstrengung der Kehlkopfmuskeln vermindert." (BÖHME 1997, 64).

Werden orale Laute nasaliert oder nasale Laute denasaliert, liegt eine gestörte nasal-orale Balance vor. Diese beeinträchtigt neben den Lauten auch die Lautübergänge (Transienten) (BÖHME 1997, BRESSMANN/SADER 2000).

Näseln
Definition: Ein Näseln als nasale Resonanzstörung liegt vor, wenn die suprapalatinalen Räume des Ansatzrohres (Nasopharynx und Nasenhöhlen) an der Resonanz zu stark (offenes Näseln) oder in zu geringem Maße (geschlossenes Näseln) beteiligt sind (WIRTH 1994, 418). Das Näseln betrifft dabei den Sprechstimmklang und die Artikulation.

Hyponasalität
Definition: Hyponasalität wird definiert als "pathologisch verminderte Nasalität, ein Mangel an nasalem Anteil des Stimm- und Sprechschalls" (VRTICKA 1995, 8). .

Hyponasalität

Nach Empfehlung der International Association of Logopedics and Phoniatrics (IALP) ist der Begriff der Hyponasalität zu verwenden.

Ursachen: Hyponasalität ist ursächlich bedingt durch ein oder mehrere mechanische Hindernisse in der Nasenluftpassage. Es wird zwischen einer vorderen (anterioren) und einer hinteren (posterioren) Hyponasalität unterschieden.

Schematische Darstellung der Hyponasalität
Abb. 6: Schematische Darstellung der Hyponasalität.
(aus: Neumann, S. (2001): LKGS-Spalte. Ein Ratgeber für Eltern. 23)
  • Vordere Blockaden stellen Septumdeviationen, Polyposis nasi, Rhinitiden oder stenosierende Narbenbildungen dar.
  • Muschelhyperplasie, angeborene Choanalatresie, hypertrophe Adenoide, Nasopharynxtumore oder Nasenrachen-fibrom verlegen den hinteren Nasopharynx.

Symptome:

  • dumpfer ‚verschnupfter' Stimmklang
  • eingeschränkte Nasenatmung mit der Konsequenz einer Mundatmung
  • evtl. Geruchsstörung
  • Denasalierung der Nasalen /m/, /n/ und /ng/.
  • bei kompletter Behinderung der Nasenluftpassage (Denasalität) kann es zu Ersatzlautbildung der Nasale durch stimmhafte Plosive der entsprechenden Artikulationszone (/b/, /d/, /g/) kommen.

Hypernasalität
Definition: Hypernasalität definiert sich als "pathologisch vergrößerte Nasalität, ein Überfluss am nasalen Anteil des Stimm- und Sprachschalls" (VRTICKA 1995).

Hypernasalität
Abb. 7: Schematische Darstellung der Hypernasalität.
(aus: Neumann, S. (2001): LKGS-Spalte. Ein Ratgeber für Eltern. 23)

Hypernasalität

Symptome:

  • starke nasale Klangfärbung aller oralen Laute TRENSCHEL (1977)
  • eingeschränkte Nasenatmung mit der Konsequenz einer Mundatmung

besonders beeinträchtigt: Vokale /i/ und /u/ aufgrund ihrer starken lingualpalatalen Enge und Frikative und Affrikative (NEUMANN 2000, DIECKMANN 1996, PETRESON-FALZONE et al. 2001).

Cul-de-sac-Resonanz
Hypo- und Hypernasalität sollten sich aufgrund ihrer konträren Definition gegenseitig ausschließen. Differentialdiagnostisch lässt sich jedoch eine Mischform klassifizieren: die Cul-de-sac-Resonanz (‚Sackgassen-Resonanz').

Definition: Kombination aus einer Hypernasalität aufgrund velopharyngealer Inadäquatheit, Inkompetenz oder Insuffizienz und einer Hyponasalität, begründet durch eine organische Blockierung der Nasenwege

Schematische Darstellung der Cul-de- sac-Resonanz
Abb. 8: Schematische Darstellung der Cul-de- sac-Resonanz
(aus: Neumann, S. (2001): LKGS-Spalte. Ein Ratgeber für Eltern. 23)

Unterscheide: anteriore vs. posteriore Verlegung der Nasenluftpassage

—  starke Dämpfung bzw. Reduktion des Schalldrucks
—  leiser und dünner Stimmklang
—  hohen Sprechanstrengung für den Betroffenen (BRESSMANN 1999, PETERSON-
     FALZONE et al. 2001).


Häufige Resonanzstörungen bei LKGS-Fehlbildung

  • Hypernasalität aufgrund der die kongenitalen velopharyngealen Inadäquatheit
  • suprapalatinalen Räume des Ansatzrohres sind durch die Fehlbildung der inneren Nase (keine Trennung der Nasenhaupthöhlen) zu stark an der Resonanz beteiligt
  • durch zentripetale Zungenrückverlagerung: Phonationsstrom entweicht zu stark durch die Nase und vergrößert die Nasenresonanz
  • Cul-de-sac-Resonanz aufgrund kompensatorisch gebildeter hypertropher Adenoide bzw. Tonsillen, um den insuffizienten Segel-Rachen-Verschluß auszugleichen