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Velopharyngale Insuffizienz (VPI)

Anatomisch-physiologische Grundlagen
Das Ansatzrohr unterteilt sich oberhalb vom Kehlkopf in die drei Hauptresonanzräume Rachen, Mundhöhle und Nasenhöhle, welche der Ausformung und Verstärkung des glottalen Schallgeräuschs dienen. Die Mundhöhle (Oropharynx) und die Nasenhöhle (Nasopharynx) werden durch den harten Gaumen und das Gaumensegel (Velum) anatomisch und akustisch voneinander getrennt.

 velopharyngeale Muskeln
Abb. 3: Die velopharyngealen Muskeln in der
Übersicht (FRITZELL 1969)

Das bewegliche muskuläre Velum nimmt hierbei eine Schlüsselfunktion ein. Es setzt sich anatomisch aus dem harten Gaumen in einer Bindegewebsplatte (Aponeurose) fort, in die fünf Muskelpaare aus verschiedenen Richtungen einstrahlen
(s. Abbildung ... ). Dies erklärt seinen großen Bewegungsumfang und Flexibilität.

Velopharyngale Funktion

Das Velum und die obere Rachenmuskulatur fungieren als Verschlussmechanismus (velopharyngealer Sphinkter), welcher das Ausmaß der oronasalen Balance bestimmt. Er ermöglicht differenziert die Bildung oraler Laute, da durch seine Funktion der Mundraum schall- und luftdicht gegenüber der Nasenhöhle abgeschlossen werden kann.

Croft und Shprintzen (1981) unterscheiden vier verschiedene Verschlussmuster:

  1. Koronaler Verschluss: Hebung und Streckung des Velums nach dorsal, Rachenwände unbeteiligt (A)
  2. Sagittaler Verschluss: Kontraktion der lateralen Rachenwände, Velum relativ unbeteiligt (B)
  3. Zirkulärer Verschluss: starke Kontraktion der lateralen und dorsalen Rachenwände bei angehobenem Velum (C)
  4. Zirkulärer Verschluss mit Passavant´schem Wulst: starke Kontraktion der lateralen und dorsalen Rachenwände bei
    angehobenem Velum und zusätzlich starker Vorwölbung der Rachenhinterwand (D) (BRESSMANN 1999, BÖHME 1997, PETERSON-FALZONE et al. 2001)

Am häufigsten lassen sich bei gesunden Sprechern koronale und zirkäre Verschlussmuster finden (BÖHME 1997).

Velopharyngeale Verschlussmuster
Abb. 4: Velopharyngeale Verschlussmuster nach Croft & Shprintzen (1981).

Velopharyngale Insuffizienz (VPI) bei LKGS-Fehlbildung:
Es kann kein oder nur unzureichender velopharyngealer Verschluss gebildet werden. Man bezeichnet dies hierbei als Velopharyngeale Insuffizienz (VPI), als Kombination einer anatomisch-physiologischen Dysfunktion und einer funktionellen Inkompetenz bei einem operierten Gaumensegel (BRESSMANN 1999).

Einteilung der velopharyngealen Dysfunktionen
Abb. 5.: Einteilung der velopharyngealen Dysfunktionen
(nach BRESSMANN/SADER 2000, ...)