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 Chirurgie und Korrekturen

Damit das neugeborene Kind möglichst optimal betreut werden kann, ist es sinnvoll, es früh auch von einem Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgen untersuchen zu lassen. Der Arzt kann über die notwendigen vorbereitenden Maßnahmen und unterschiedlichen Möglichkeiten der chirurgischen Eingriffe informieren.

Der erste operative Eingriff kann ungefähr ab dem 4. - 6. Monat, je nach gesundheitlicher Verfassung des Kindes, durchgeführt werden.

Hierbei wird meistens die Muskulatur korrigiert, die Lippenspalte verschlossen und der Nasenboden gebildet, indem man Lippenteile anschneidet, einzelne Gewebsschichten vorsichtig freilegt, korrigiert und wieder vereinigt.

Je nach Klinik erfolgen diese Maßnahmen innerhalb einer oder mehrerer Operationen, diese werden als „primärchirurgische Versorgung" bezeichnet. Der komplette Verschluss der Spalte sollte mit der Vollendung des 2. Lebensjahres Ihres Kindes abgeschlossen sein.

Danach erfolgen - je nach Spaltart- unterschiedliche Therapien und Behandlungen, z.B. eine kieferorthopädische Versorgung.

Falls notwendig, können sprachverbessernde chirurgische Eingriffe, wie z.B. der Einsatz einer Gaumensegelplastik, ca. im 6. - 7. Lebensjahr vorgenommen werden.

Erst nach Abschluss des Wachstums können zwischen dem 9. Lebensjahr und der Pubertät noch einmal korrigierende Operationen notwendig werden, die allgemein unter dem Begriff der „Sekundärchirurgie" zusammengefasst werden. Dies könnte zum Beispiel eine Operation der Restlöcher in der Gaumenregion oder eine Veränderung der Nasenform betreffen.

Der untenstehenden Tabelle können sie ärztlich und therapeutisch empfohlene Zeitpunkte für die jeweiligen Operationen entnehmen.

 

Das Leipziger Konzept der Rehabilitation von Patienten mit Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten

Die Behandlung von Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten erfolgt interdisziplinär. Dabei sind eine Reihe von Behandlungsmaßnahmen notwendig, die zeitlich in einem bestimmten Ablauf erfolgen und damit eine derzeit optimale Versorgung der Spaltbildung gewährleisten. In der folgenden Tabelle ist der zeitliche Ablauf und die interdisziplinäre Koordination der Behandlungsmaßnahmen dargestellt. Je nach Art und Ausprägungsgrad der Spaltbildung sind nur einige oder alle der aufgeführten Behandlungsschritte erforderlich.

 

 Alter Kieferchirurgische
Maßnahmen
Kieferorthopädische
Maßnahmen
HNO/Logopädie 
1. Woche  -  Abdruck und Anfertigung der
sog. Trinkplatte nach Holz/Gnoinski 
  -

3.-4. Monat

Lippenverschluß 
Anfertigung weiterer Trinkplatten  Ohrmikroskopie/
Pädaudiogramm, ggf.
Paukenröhrchen einsetzen 
7.-9. Monat Gaumenverschluß  mit Gaumenverschluß Ende der Plattentherapie  ggf. Entfernung des
paukenröhrchens, weitere
Kontrollen durch HNO-Arzt 
6.-7. Jahr  ggf. Velopharynxplastik  bei ausgeprägten skelettalen
Abweichungen Beginn der
kieferorthopädischen Behandlung
nach Frontzahnwechsel
(Frühbehandlung) 
Kontrolle der Sprache.
ggf. logopädische
Begleitbehandlung 
ab 9. Jahr  Kieferspaltosteoplastik 

kieferorthopädische Hauptbe-
handlungsphase:
1. kieferorthopädische Vorbe-
behandlung für die Kieferspaltosteoplastik 

Kontrolle der Sprache,
ggf. logopädische
Begleitbehandlung
ab 12. Jahr  ggf. sekundäre Korrektur
an Oberlippe und Nase 
2. weitere kieferorthopädische
Behandlung zur Ausformung der
Zahnbögen nach Kieferspaltosteoplastik 
Kontrolle der Sprache,
ggf. logopädische
Begleitbehandlung 
ab 16. Jahr ggf. sekundäre Korrektur nach Wachstumsabschluß
(Dysgnathie-Operationen) 
3. kieferorthopädische Vor- und Nachbehandlung für notwendige sekundäre Korrekturen
(Dysgnathie-Operationen) 
Sprachkontrolle 

 

Für Informationen über die konkreten Abläufe und Ziele der einzelnen Korrekturmaßnahmen empfehlen wir Ihnen folgende Literatur:

  • Honigmann, Klaus (1998): Lippen- und Gaumenspalten. Das Basler Konzept einer ganzheitlichen Betrachtung, Huber Bern
  • Schöler, Hermann; Welling, Alfons (2007):Handbuch der Sonderpädagogik: Sonderpädagogik der Sprache: Bd 1, Hogrefe-Verlag